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Die Großmutter hat so schön singen können und der Großvater hat auch gesungen. Die haben ein wunderschönes Leben gehabt und eine wunderschöne Ehe. Der Mann hat daheim auf die Arbeit geschaut und auf"d Nacht ist er wieder in die Alm zur Großmutter gangen. Meine Mutter hat oft zu ihm gesagt: "Geh Vater, bleib doch da, du musst morgen so früh aufstehen!" Da hat er gesagt: "Das verstehst du nicht, die Mutter freut sich ja auch, wenn ich komme." Früher haben sich die Leut besser verstanden als heute. Wir waren drei Generationen im Haus und ich kann mich nicht erinnern, dass gestritten wurde.
(Erna Haas über ihre Großmutter)
Aus dem Almtagebuch der Julie Götzenbrugger:
Eine Sennerin geht nie "in Pension"
Wann"s auf da Alm tuat
brenna oda schneibn,
Oba dahoam, na dahoam möcht i -
dennoch nit bleibn!
(Geschrieben mit 74 Jahren)
Almtaufe
Ich bin noch fast ein Kind gewesen, nicht einmal 14 Jahre, da bin ich das erste Mal auf die Alm gefahren. Dumm war ich, kochen hab ich nicht gekonnt, auch sonst nichts, höchstens melken. Ja, dann auf der Alm sind wir alle, so 13 oder 14 Almdirnen sind wir gewesen, Futter schneiden gegangen. Wir haben das "Glecktuch" umgebunden und fort! Auf dem Weg dorthin gibt es eine Lacke, da heißt"s "In der Gleckgrube". Auf einmal, man weiß nicht, was los ist, wird man gepackt und hineingetaucht in die Lacke! Das ist die Almtaufe! Hinten und vorn alles voll Wasser und unsaubere Viecher sind da drinnen, Kaulquappen und so! Und dann hat man halt einen Namen gekriegt! Obwohl ich Miaz heiß, bin ich dann d"Susl gewesen. Naja, das hab ich auch packen müssen! Wir sind dann weiter Futter schneiden gegangen und ich konnte das ja alles noch nicht. Ich hab mir immer in den Finger geschnitten und nichts zusammengebracht. Beim Zurückgehen haben alle die vollen Glecktücher getragen, nur diejenige, die das erste Mal mitgegangen ist, die hat halt nicht viel gehabt! Dann haben wir gerastet, ja, da hätten"s einen gern noch einmal getauft. Aber man hat"s schon gewusst, was kommt, da ist nichts mehr gegangen! Dann geht"s hinauf zur Hütte mit dem Glecktuch am Kopf! "Unsereiner" hat im ersten Sommer natürlich noch nicht viel Futter z"sammenbracht und die anderen haben einen dafür auch noch ausgetadelt!
(Miaz Klaus, geb. 1900 in Lupitsch bei Altaussee)
Polsterltanz
Samstags war oft eine Gaudi, g"sungen und musiziert ist worden, auch ein Harmoniespieler war meistens da. Sommergäste und Leute vom Ort haben fest gesungen und getanzt. Auf unserer Alm ist auch der Polsterltanz getanzt worden. Der geht so: Einer hat den Polster in die Hand genommen und der Dame, die ihm gefallen hat, mit einer höflichen Geste hingegeben. Sie hat den Polster gern angenommen, das war doch ein bissl eine Ehre und sie hat mit ihm allein kurz getanzt. Nachher hat sie den Polster müssen einem anderen Burschen weitergeben und, das ist praktisch weiter gegangen, bis alle durch waren. Jetzt ist es aber gewöhnlich passiert, dass ein Dirndl oder ein Bursch nicht drangekommen ist! Dem Burschen ist das eher wurscht g"wesn, aber die Dirndln haben sich mehr betroffen gefühlt. Wenn jetzt quasi eine übrig geblieben ist, dann ist das ein bissl eine spannende Geschichte g"wesen.
(Anton Schlager vulgo Rauch, geb. 1935, Mautern)
Kochkäse ("Steirerkas")
Die Rosi Pichler vulgo Stogg aus Neuhof bei Übelbach sagt an, wie sie den Kochkäs macht: Zuerst muss man Topfen machen und das geht so: Man stellt eine Schüssel mit der entrahmten Milch an einen warmen Ort und lässt die Milch sauer werden. Das Ganze schüttet man dann durch eine Baumwollwindel, die Molke rinnt ab und man hängt sie an einem warmen Ort so lang auf, bis der Käs" ordentlich zum Stinken anfängt. Ich sag" immer, er muss "krabbeln", also fast schon von selber davongehen! Dann ist er reif, überreif, kurz vor dem Faulwerden! Jetzt gibt man ihn in eine Pfanne, 1 Esslöffel Butter dazu, Kümmel und Salz und erhitzt alles ganz langsam, auf"s Rühren nicht vergessen, bis der Käs" fast flüssig zäh wird. Dann kommt er in eine Schüssel. Wenn er ausgekühlt ist, wird er in Scheiben geschnitten und auf"s Butterbrot gelegt. Eine saure Milch dazu, das ist eine herrliche Jause! "Der Topfen muss wirklich griffig sein, ganz trocken! Dann wird er zugedeckt und bleibt stehen. Das Eiweiß zersetzt sich dann, deshalb hat"s einen gewissen Geruch. Es muss halt stinken!"
(Berta Schreiner, Stubalm)
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